Supra – Ein Fest

von Nino Haratischwili
Nino Haratischwili und Ensemble
In deutscher Sprache, mit georgischen Gesängen und georgischem Wein (im Eintrittspreis enthalten)
Inszenierung:
Nino Haratischwili
Bühnenbild:
Julia B. Nowikowa
Spiel:
Ella Cosen ,
Solveig Krebs und
Anja Topf
Musik:
Nino Guliashvili (Klavier, Gesang),
Nukri Kapanadze (Gesang),
Keti Klimiashvili (Gesang) und
Nino Tskitishvili (Gitarre, Gesang)
Dauer
1:30h

Supra – Ein Fest und ein ungewöhnlicher Theaterabend, denn das Publikum darf am Fest teilnehmen. Es sitzt an einer langen Tafel, zusammen mit vier Musikerinnen aus Georgien und drei Schauspielerinnen aus Hamburg und bekommt feinen georgischen Wein serviert. Supra, die traditionelle georgische Tafel, nimmt eine zentrale Bedeutung im georgischen Gesellschaftsleben ein. Georgisches Essen, georgischer Wein und vielstimmiger Gesang spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili möchte dieser alten Tradition aus weiblicher Perspektive nachspüren. Es werden die Geschichten von Frauen erzählt und dabei bestehende Strukturen hinterfragt.

Denn die Supra steht weitestgehend in einer männlich-patriarchalen Tradition – obwohl die Frauen, ihre Schönheit und ihre Kochkünste bei der Tafel stets besungen werden, haben sie am Abend selbst nicht viel zu sagen. Der traditionelle Ablauf folgt einer festen Dramaturgie. Die Trinksprüche auf die Gastgeber, die Heimat, die Liebe, das Leben, die Verstorbenen und die Nachkommenschaft sowie auf die Frauen sind fixer Bestandteil des Supra-Rituals. Dazwischen darf improvisiert werden.

Doch Georgien hat sich verändert. Der Zerfall der Sowjetunion und die darauffolgenden Bürgerkriege, die jüngste Wirtschaftskrise und die Globalisierung sind an den alten Strukturen nicht spurlos vorbeigegangen. In vielen gesellschaftlichen Bereichen hat ein sozialer Wandel eingesetzt und auch die überkommenen Rollenbilder von Mann und Frau ins Wanken gebracht. Die europäischen Werte, nach denen die junge Generation in Georgien lebt, der Feminismus und die Diskussion um neue Geschlechterbilder sind nicht selten Grund für hitzige Debatten. Denn trotz der sich radikal verändernden Realität wird in traditionellen Kontexten an den bestehenden Geschlechterrollen – denen auch die Männer folgen müssen – festgehalten. Nino Haratischwili möchte nun eine besonders traditionelle Form für eine aktuelle Debatte nutzen.

Nino Haratischwili, geboren 1983 in Tiflis, ist eine preisgekrönte Autorin und Theaterregisseurin. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt das Stipendium des Lessing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg und den Bertolt-Brecht-Preis 2018 der Stadt Augsburg für ihre Theaterstücke und ihren Roman »Das achte Leben (für Brilka)«. Aktuell ist ihr jüngst erschienener Roman »Die Katze und der General« für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert.